Die Liebe in der Psychotherapie
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Abstract
Alles ist mit Allem verbunden. Die Kluft zwischen dieser (buddhistisch)-spirituellen
Weltsicht und der klassischen Naturwissenschaft scheint durch die Erkenntnisse
der Quantenphysik (Zeilinger 2005) immer kleiner zu werden.
Görnitz
(2006) beschreibt die klassische Physik als eine Physik der Objekte und
die Quantenphysik als eine Physik der Beziehungen. Ich möchte hier versuchen,
diese Erkenntnisse anderer wissenschaftlicher Disziplinen mit unserem Fach zu
verknüpfen.
Zwischenmenschliche Verbundenheit lässt sich als Beziehung beschreiben. Beziehung
ist m. E. durch Intersubjektivität definiert. Jessica Benjamin beschreibt
(1993, S. 35) das Paradoxon der Intersubjektivität: »In dem Augenblick, da wir
unsere Unabhängigkeit erreichen, sind wir davon abhängig, sie uns gegenseitig
zu bestätigen.« Intersubjektive Beziehung ist also durch die paradoxe, untrennbare
Gleichzeitigkeit von Autonomie und Abhängigkeit definiert. Meines Erachtens
gibt es weder zur Intersubjektivität noch zur Verbundenheit eine Alternative.
Wir sind also unserem »Intersubjektiven-In-Beziehung-Sein« ausgeliefert. Die
Wahrnehmung dieses Umstandes kann aber nur freiwillig erfolgen. Die Intensität
der Beziehung zu unserem Leben hängt von dem Ausmaß ab, in dem wir
diese Wahrnehmung, trotz der damit verbundenen Furcht, zulassen. Das Zulassen
dieser Wahrnehmung entspricht einem Vorgang der Öffnung. Dies will
der Beziehungswunsch. Stern (2005) spricht von der »Intentionalität der Intersubjektivität
«. Wer sich dem gelebten Augenblick weit genug öffnet, ist seelisch
gesund. Seelische Krankheit schützt durch Deintensivierung von Beziehung vor der Furcht, sich ausgeliefert
zu fühlen. In der Möglichkeit, sich zu öffnen, liegt
immer, bis zur letzten Sekunde unseres Lebens, die Möglichkeit zur Gesundung.
Der Patient kann sich dem Therapeuten nur so weit öffnen, wie dieser seine Sehnsucht
nach der Intensivierung dieser Beziehung zulässt. Der Beziehungswunsch
des Therapeuten steht also nicht im Widerspruch zu einem hohen Professionalitätsanspruch,
sondern ist die Voraussetzung für die Entwicklung der psychotherapeutischen
Beziehung. Wenn wir aus der Bewusstheit dieser Sehnsucht heraus
arbeiten, wird uns die psychotherapeutische Beziehung mehr als eine helfende
Beziehung sein. Wir werden die Therapiestunde als einen Augenblick unseres
Lebens begreifen, der untrennbar mit den anderen Augenblicken unseres Lebens
verbunden ist und den wir gestalten möchten. Es gibt keinen Augenblick unseres
Lebens, der davon ausgeschlossen ist, ihn zu lieben.
Zitationsvorschlag
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Intersubjektivität, Verbundenheit, Wahrnehmung, Liebe, ausgeliefert